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Die Bergbauindustrie wird landläufig gerne der sogenanntem (und in der Tat fehlbenannten) ‚Old Economy‘ zugerechnet, um sie von den neuen Tech-Industrien abzugrenzen, welche die Welt im Sturm umzukrempeln scheinen. Falsch an der Zuordnung ist die Tatsache, dass die Bergbauindustrie mit ihren Produkten, also zahlreichen Metallen und anderen Mineralien, die schöne neue High-Tech Welt erst ermöglicht. Ebenso gab es über die letzten Jahre zahlreiche Neuerungen nicht nur in der Produktion, sondern auch in der Exploration. Die Verwendung von Satelliten beispielsweise ist in der Prospektion gang und gäbe, von der vernetzten Kommunikation der großen Bergbaukonzerne ganz zu schweigen.

​Neue technologische Quantensprünge: Risiko der Adoption, und Risiko des Verschlafens

Wahr ist aber auch, dass neueste Veränderungen im Bereich der Blockchain Technologie und der Künstlichen Intelligenz (KI) nur zögerlich angenommen werden. Das ist nicht unbedingt verwunderlich, denn solche Technologiesprünge können durchaus disruptiv sein, und ganze Gefüge und Industrien durcheinanderwirbeln. Nicht immer sind also Adoptionen solcher Quantensprünge freiwillig, denn wer riskiert schon gerne, sich durch seine Maßnahmen eventuell selber überflüssig zu machen?

Künstliche Intelligenz: Das Ende der Exploration (und der Geologen) wie wir sie kennen?

Jetzt ist eine Firma aufgetreten, welche die Explorationswelt allerdings mit großen Versprechungen lockt, und das Thema anspricht, was jeden Manager, egal welcher Industrie er angehört, gefügig macht: Mit Effizienz, was in der Geschäftswelt schlicht mit Geld gleichzusetzen ist. Denn wer riskiert schon gerne, durch seine Nicht-Maßnahmen sein Unternehmen vor die Wand zu fahren, weil andere weniger zögerlich waren und nun effizienter arbeiten, was sich an den Zahlen bemerkbar machen wird?

​Künstliche Intelligenz in der Exploration: Verlockung und Drohung

GoldSpot Discovery, so der Name dieses Trojanischen Pferdes, kommt mit Versprechen, aber auch mit einer Drohung – so zumindest müssen es die Geologen sehen. Denn obwohl GoldSpot nicht behauptet, diesen so quintessentiellen Beruf ganz überflüssig zu machen, so will sie ihn zumindest vom Thron der Interpretationsmacht stoßen. Eventuell also schon schlimm genug.

Kurz gesagt bietet GoldSpot an, mittels lernfähiger Maschinen historisches geologisches Kartenmaterial zu analysieren, und so die herauszufilternden Informationen maximieren, und die Interpretation derselben auch gleich noch optimieren. Und damit trifft GoldSpot einen wunden Punkt der Explorationsindustrie: Denn deren Erfolge in Sachen Funde (sowohl was Anzahl als auch den Wert dieser betrifft) gehen kontinuierlich zurück, während der Aufwand in Zeit und Geld zunehmend wächst. Eine Entwicklung, die keine Industrie gerne sieht.  GoldSpot verspricht nun, diese Relation umzukehren: Mehr Entdeckungen, mit weniger Aufwand. Hört da noch einer weg?  

​Die Exploration ist das Sorgenkind der Bergbauindustrie:

Wohl kaum, wenn man sich die Zahlen ansieht, die bemerkenswert sind: Von 2008 bis 2018 hat die Goldindustrie über 54 Milliarden USD für die Goldexploration ausgegeben. Im gesamten Zeitraum 1990 bis 2008 waren es ‚nur‘ 32 Milliarden Dollar. Auf der anderen Seite sank die Ausbeute dieser Suche drastisch, und betrug mit 215 Millionen Unzen (2008-2018) nur gut 15% der entdeckten Unzen zwischen 1990 und 2008.  Zusätzlich sind die neu-entdeckten Lagerstätten metallurgisch komplexer, oft tiefer gelegen, und mit insgesamt höheren Abbaukosten versehen.

Nun sollen also mithilfe von KI historische Daten ausgewertet werden, ebenso wie Firmendaten, 3D-Modelle und andere Datensätze, um die Trefferquote zu erhöhen. BigData soll es möglich machen. Es ist kein Geheimnis, dass BigData dazu beigetragen hat, den Informationsgehalt aus allem und jedem zu erhöhen, warum also nicht auch aus geologischen Datenbeständen?  Mithilfe von Wahrscheinlichkeitsrechnungsmodellen sollen nun auch diejenigen Gebiete ermittelt werden, wo aufgrund der bestehenden Datenlage der nächste ‚Treffer‘ am wahrscheinlichsten ist. Und damit nicht genug, engagiert sich GoldSpot auch gleich selber im Landkauf. Es will die so ermittelten Gebiete auf- und an weniger ahnungsreiche Explorationsfirmen weiterverkaufen. So klingt Zuversicht.

​Deus ex machina?

​Ein Vorkommen? Eine Lagerstätte? Aber wie und wo genau? Lohnt sich das überhaupt? Ob diese kniffligen Fragen der Exploration durch Big Data Analyse 'gelöst' werden können, darf bezweifelt werden. Ob letztere Geologen unterstützen kann, darauf sollten wir hoffen.  

Ob die zugegeben nicht gerade rosige Performance der Exploration durch Big Data nennenswert verbessert werden kann, wie es GoldSpot verspricht? Ich gehöre hier eher zu den Zweiflern. Das Problem ist es ja nicht so sehr, Vorkommen zu finden, also den ersten Schritt in der Exploration durchzuführen. Es ist ja hier, wo die Analyse von Big Data einen Vorteil leisten könnte. Das größte Problem ist es ja, dass nur die wenigsten Vorkommen auch tatsächlich wirtschaftlich interessante Lagerstätten werden. Die Untersuchung und Beurteilung unzähliger Faktoren, die aus viel Uninteressantem das wenige Interessante machen, dazu bedarf es nach wie vor persönlicher und langjähriger Expertise, und vor allem nach wie vor der Interpretation. Natürlich können Technologien helfen, den Job der Geologen einfacher und effizienter zu machen, aber man sollte nicht vergessen dass die nachlassende Zahl an großen Lagerstättenfunden nichts mit mangelnder Expertise der Geologen zu tun haben, sondern das Ergebnis komplexer werdender Geologie im Angesicht jahrtausenderlanger Extraktion durh den Menschen ist. ​KI wird m.E. nach nicht die Fundamente der Geologie und damit der Explorationswirtschaft durcheinanderbringen. Ob es sie nennswert unterstützen kann wäre allerdings wünschenswert.