Vor zwei Jahren entwickelte sich ein ausgewiesener Lithiumboom, bei dem Spekulanten davon ausgingen bald eine Welt wiederzufinden, die zunehmend mit Strom aus Hochleistungsbatterien betrieben wird. Im Hinblick darauf war die Performance von Lithium im Jahr 2018 recht deprimierend. Ist der Boom also vorbei? Oder war von Anfang an alles bloße Makulatur? Sehen wir uns den Lithiummarkt also mal etwas genauer an. Soviel sei vorab gesagt: Investoren müssen 2019 genauer überlegen, wohin sie ihr Geld stecken – vor allem der Zeithorizont spielt bei solchen Überlegungen eine Rolle.

Denn Lithiumkarbonat, die am häufigsten gehandelte Form des Materials, fiel 2018 von mehr als 20.000 USD pro Tonne auf 9.000 USD / t. Eine Einschätzung  ob es noch weiter abwärts gehen könnte ist nicht so leicht abzugeben. Eine Investment-Forschungsgruppe der Citi allerdings zeichnete ein eher negatives Szenario, das von Überangebot und somit fallenden Preisen geprägt ist. Laut des Citi Berichtes ist des Pudels Kern in einem sich ab 2019 einstellenden Überangebot des Leichtmetalls zu finden.

Drüber und drunter: Der Lithiummarkt 2019 - 2026

Allerdings: Führt ein Überschuss an Lithium bzw. Lithiumkarbonat zwangsläufig zu weiteren Kursverlusten? Das ist ungewiss, da Lithium (noch) keine öffentlich gehandelte Ware ist, sondern mittels (meist mehrjähriger) Offtake Agreements zwischen den Minenbetreibern und den Weiterverarbeitern gehandelt wird.

Dennoch: Die Aussicht auf solche Angebotsüberschüsse drücken auf die Stimmung. Es ist ein Damoklesschwert, besonders für Explorationsprojekte. Denn diese werden ja erst in einigen Jahren, zwischen mindestens zwei und vielleicht sieben bis acht, diesen Markt zusätzlich füttern. Welcher Investor will denn noch ein 'mehr' zum sowieso schon 'zu viel' zufügen?

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Auf der anderen Seite ist der Angebotsüberschuss ein zeitlich begrenztes Phänomen. Wir können ab Ende 2019, Anfang 2020 mit so einem Überangebot rechnen. Dieses wird uns dann wahrscheinlich bis Mitte der 20er Jahre begleiten. Denn der E-Autoboom wird erst ab dann richtig Gas geben:

Nachfrage nach Elektroautos 2017-2030

Ab Mitte des kommenden Jahrzehnts erst wird die Elektrowelle richtig ins rauschen kommen.

In der langen Frist sind wir alle tot. Zumindest einige Lithium-Juniors

​Die Versorgungslage ab 2025 sieht weitaus weniger klar aus. Im Gegenteil deutet alles darauf hin, dass es eine deutliche Versorgungslücke bis ca. 2030 hinein geben wird. Diese ist nicht extrem dramatisch, und es gibt genügend Lithium, um nachzulegen. Aber es wird dauern. Und wenn im Jahr 2019 und darauf weniger Explorationsprojekte finanziert werden (aus oben beschriebener Angst vor dem jetzigen Überangebot), wird diese Produktion ab 2025 eben fehlen.

Wie gehen wir damit um? Die aktuelle Situation bedeutet höchstwahrscheinlich, dass es zunächst einen Marktüberhang geben wird, der dazu führt, dass einige Projekte unter Kapazitätsauslastung stehen, während etliche Explorationsprojekte nur schwerlich um finanzielle Unterstützung bekommen werden. Mit anderen Worten, Lithium-Projekte in der Produktion oder solche, deren Finanzierung derzeit gesichert ist oder die im Bau sind, sollten das Damoklesschwert überleben, während eine lange Liste von hoffnungsvollen Explorationsprojekten auf den möglichen Nachfrageschub warten muss, um die Finanzierung zu sichern. Wir müssen uns darüber im klaren sein, dass Märkte überreagieren. Dies war mit der Preisexplosion zwischen 2016 und 2017 der Fall - und mit dem Preisverfall ab Beginn 2018. 

Um es klar zu machen: Lithium ist mehr wert als der aktuelle Preis! Daran kann auch ein kurzfristiges Überangebot nichts ändern. Und Exploration ist dringend notwendig, denn fallen nun viele Projekte aus Geldmangel aus, werden dem Markt ab 2025 viel wichtiges Material fehlen, und es kommt zu einem absoluten Run auf Lithium, spätestens ab 2022/2023. Bevor wir darauf noch einmal näher eingehen, werfen wir einen Blick auf die nächsten drei, vier Jahre:


Ein genauerer Blick auf die nächsten Jahre

Im vergangenen Jahr 2017 erreichte das Gesamtangebot an Lithiumcarbonat-Äquivalent (LCE) beispielsweise 226.440 Tonnen (also inklusive aller Formen von Lithium wie Konzentrat und Spodumenerz). Die Nachfrage im gleichen Jahr belief sich auf 225.475 t LCE, also knapp 1.000 t  Überschuss.

2018 stieg die Lithium-Produktion (in LCE ausgedrückt) auf 288.852 Tonnen, während die Nachfrage (hauptsächlich von Batterieherstellern) nur 266.114 Tonnen ausmachte: Es ergibt sich also ein Negativsaldo von 22.737 Tonnen. Prozentual ausgedrückt stieg die Nachfrage um beachtliche 18% - das Angebot allerdings um satte 28%. Hier wird 2019 nochmal zugelegt werden können: Um 35% auf 389.173 Tonnen, während die Nachfrage weiter konstant um 18% auf 315.185 Tonnen steigen wird: Macht ein Überschuss von 73.988 t oder 19% des Marktes. Weitere Jahre der Überproduktion werden voraussichtlich folgen: Im Jahr 2022 werden wir laut Citi bereits bei einem Überangebot von 33% liegen: Produktion: 719.367 Tonnen;  Nachfrage 482.228t:

​Lithium ist immer noch ein attraktives Ziel - aber das Projekt verlant genauere Überprüfung

Produzenten müssen unter der Angebotssituation allerdings nicht unbedingt leiden, denn diese haben meist Kaufverträge im Drei- bis Fünf-Jahres-Rahmen festgelegt. Das schottet vor Preiskorrekturen ab.

Insgesamt betrachtet aber ergibt sich folgendes Bild: Die Nachfrageprojektionen haben sich in den letzten zwei, drei Jahren kaum geändert – wenn überhaupt, haben sich die Zahlen höchstens etwas nach oben korrigiert. Aber der Markt hat, wie so oft, überreagiert. Die Gier nahm überhand, und in einer typischen selbsterfüllenden Prophezeiung haben sich die Preise über die Maßen nach oben katapultiert. Ein sanftes, ebenes Preiswachstum wäre ansonsten ebenfalls möglich gewesen. Ohne die starken Ausschläge von 2017, aber eben auch ohne den ebenso starken Abfall 2018. Es kann gut sein, dass sich, nachdem sich die derzeitige Katerstimmung gelegt hat, auch die Preise wieder erholen. Auch Investitionen in den Lithiumbereich sollten weiter attraktiv bleiben. Denn die Welt benötigt weiter qualitativ hochwertige Lithiumquellen, vor allem nach 2025. Kostengünstige Lagerstätten mit batteriefähigem Lithium - solche Projekte werden gefragt bleiben. Am besten man sieht sich nach solchen um, die bereits eine Partnerschaft mit einem Endabnehmer haben, bzw. deren Management über gute Kanäle dorthin verfügen. Lassen wir uns also nicht von dem derzeitigen Terz aus der Ruhe bringen - schauen wir nur besonders gut hin, wenn der Sensenmann nun mit minderwertigen Projekten aufräumt (Siehe auch https://explorado.markets/lithiummarkt-vorsicht-bei-investitionen).