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​Bahnt sich ein Nullsummenspiel zwischen Kobalt und Nickel an?

Mit der Ausweitung der E-Mobilität (Elektromobilität) scheint auch Nickel immer wichtiger zu werden. Einige sagen dem Metall sogar eine Karriere als neuester ‚heißer Rohstoff‘ voraus. Aber was hat es damit auf sich, und welche Beziehung haben Nickel und Kobalt zueinander?  ​

In der Tat ist Nickel mit Kobalt eng verbunden, zumindest wenn es sich um die Hochleistungsbatterien der neuen Eletrofahrzeuggeneration handelt. Vereinfacht gesagt bedeutet der Preisanstieg des einen (Kobalt) den Aufstieg des anderen (Nickel). So zumindest wollen es die E-Fahrzeugbauer bzw. Batteriehersteller, die in den starken Preisanstiegen von Kobalt natürlich eine Bedrohung sehen. Die Frage die nun allerorten auftaucht ist, ob man Kobalt durch Nickel substituieren kann? Zwar ist auch Nickel nicht ganz frei von Sorgen um Lieferengpässe, aber scheinen diese nicht so gravierend zu sein wie es bei Kobalt er Fall ist. Das Zauberwort, und man sollte es sich gut merken, denn viele Promoter werden es über die nächsten Monate verwenden, lautet 811 Batterie. Dahinter steckt der Plan, eine Lithium-Ionen Batterie zu entwickeln mit einer Kathode die sich zu acht Teilen Nickel, einem Teil Kobalt und einem Teil Mangan zusammensetzt: 8-1-1  

Wahr ist, dass die Entwicklung dieses Battertyps vorangetrieben wird. Nicht wahr ist allerdings, dass man auf Kobalt in Kürze wird verzichten können. Kurzfristig, also innerhalb der nächsten ein, zwei Jahre werden die Kobaltpreise also nicht durch den möglichen Aufstieg der 811 Batterie beinflußt werden. Optimistische Schätzungen gehen von einem Marktanteil der 811er von bis zu 25% aus – allerdings erst in der zweiten Hälfte der 20er Jahre. Sehen wir uns die folgenden Faktoren an, die in den nächsten Jahren sowohl auf den Nickel- als auch den Kobaltbedarf bestimmen werden.

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INHALT:

Eine Erklärung der Gesamtsituation  

Welche Antriebsquellen gibt es zur Zeit, und welche Metalle und Mineralien werden benötigt?

Die Auswirkungen auf Rohstoffe und Exploration    

Die wichtigsten Batteriemetalle (Kobalt, Lithium und Grafit)

​1. Die Preisentwicklung von Kobalt

Bislang wird als Kathodenzusammensetzung dem 111 Typ vertraut, also einer Kathode, die sich zu gleichen Teilen aus den drei Metallen bzw. Elementen Nickel, Kobalt und Mangan zusammensetzt. Logischerweise hat Kobalt durch seine enorme Preissteigerung der letzten Jahre hier die Kostenparameter heftig durcheinander gewirbelt.  Erste Bestrebungen zur Substitution von Kobalt durch Nickel und Mangan setzten schon vor ein, zwei Jahren ein, als die Preisspirale absehbar wurde: Entwickelt wurden u.a. sowohl die Typen 5-2-3 als auch sogar 6-2-2. Die signifikante Erhöhung des Nickelanteils wird bereits hier sichtbar. Von einem Drittel auf die Hälfe bzw. Beim Typ 6-2-2 sogar darüber hinaus.  

Skutterudit ist ein Nickelmineral

Nickel-Skutterudit. In diesem Mineral sind bis zu 28% Ni enthalten - es könnte vermehrt in den Fokus der Batterieindustrie geraten, und damit auch für Explorationsprojekte interessant werden.

​2. Reaktionen der E-Automobilhersteller

Für die Autobauer ist es nicht nur die absehbare Preisspirale von Kobalt der ihnen Sorgen bereitet, sondern auch die zunehmende Abhängigkeit von einem Rohstoff, der zunehmend schwierig zu beschaffen scheint. Ob es in Zukunft langfristige Lieferverträge geben wird ist alles andere als klar. Der wenig stabile Kongo besitzt nicht nur 60% der aktuellen Kobaltproduktion, sondern sogar bis zu 90% der ermittelten Reserven – also der zukünftigen Versorgung. Große Automobilkonzerne könnten hier schnell zum Spielball und damit zur politischen Manövriermasse werden.  

Wie dem auch sei – Kobalt kann man nicht einfach zur Seite räumen. Zwar sorgt Nickel für eine stabile Energiedichte. Kobalt aber sorgt für die Sicherheit und stabilisiert die Abläufe. Welcher Hersteller wäre bereit, ein ernsthaftes Sicherheitsrisiko auf sich zu nehmen?


​3. Die Kosten der Kathoden


Auf der anderen Seite ist die Frage auch noch gar nicht abschließend geklärt, ob eine Reduktion von Kobalt in den Batteriekathoden auch zu einer Kostenreduktion führen würde. Das Problem liegt hier beim Herstellungsverfahren für die neuen 8-1-1 Kathoden. Denn diese müssten unter einer Schutzatmosphäre produziert werden, um jegliche Reaktionen mit den in der Atmosphäre auftretenden Verbindungen auszuschließen. Jeder Hersteller müsste also seine Produktionsabläufe entsprechend umstellen, zu teils substantiellen Kosten. Was da an Einsparungen noch übrig bleibt, dürfte erst in einigen späteren Jahren sichtbar werden, wenn die Kapitalkosten abbezahlt wurden.  


​4. Das Kobaltangebot

​Ein wichtige Frage ist sicherlich, ob die geplante Verminderung des Kobalts in der 811 Batterie dazu beitragen könnte, dem unter Stress stehenden Kobaltangebot eine Atempause zu verschaffen. Natürlich hängt das davon ab, inwieweit 811 den bisherigen Markt der Lithium-Ionen Akkus penetrieren kann. Analysten gehen derzeit von einem maximalen Anteil von 40% bis 2026 aus. Selbst in diesem tatsächlich eher unwahrscheinlichen Fall würde die absolut wachsende Lithium-Ionen Industrie immer noch 180,000 Tonnen batteriefähiges Kobalt benötigen – was immer noch gut der dreifachen Menge der Produktion von 2017 entsprechen würde. Bei einem geringeren Erfolg der neuen 811 Batterie gegenüber den konventionelleren Varianten ist das geforderte Kobaltwachstum noch deutlicher: Bei nur 25% Marktanteil bis 2016 steigt der Kobaltbedarf auf 195,000 Tonnen, bei lediglich 10% auf über 205,000 Tonnen.

​Klar ist also, dass nichts wirklich klar ist. Steigender Preisdruck wird zu zunehmenden Anstrengungen zur Substituierung von Kobalt führen. Allerdings wird die absolute Nachfrage nach Kobalt dennoch zunehmen, da auf Kobalt in absehbarer Zeit nicht verzichtet werden kann. Für den Kobaltinvestor sollte es also nichts zu befürchten geben. Aber für Nickel sind das dennoch neue und erfreuliche Nachrichten: Das Metall dürfte in nächster Zeit verstärkt nachgefragt werden. Aufgrund der Lieferschwierigkeiten mit Nickel aus den Phillipinen könnten dynamische Explorationsprojekte in sicheren Jurisdiktionen in Zukunft profitieren.