​Investoren tuen gut daran, sich an diese klassiche englische Losung zu halten. Medien lieben Panik - sie verkauft sich gut. Dahinter steckt oftmals aber nur ein Sturm im Wasserglas

​Wenn man sich die kleine Tabelle der Edelmetallpreise unten ansieht, mag sich so mancher Investor fühlen, als ob während einer schönen Party plötzlich die Musik ausgeht und die Gäste verschwinden, obwohl man doch gerade erst mittels des zweiten Long Island Eistee auf Touren gekommen ist.  Das lässt einen ein wenig angetrunken und ratlos zurück – denn mit dem Rest der Nacht ist auch nichts mehr anzufangen. Aber wenn wir den Tatschen ins Auge sehen, erkennen wir schwarz auf weiß deutliche Rücksetzer seit Juni/Juli bei etlichen Metallen: Der Goldpreis fiel in den letzten drei Monaten um 7,5%, der Kupferpreis um 7,3%, Zink sogar um 16% und selbst das doch so sicherere Kobalt hat verloren.  Also wirklich ab nach Hause und vor den Fernseher setzen?

Rohstoffpreise Juli 2018

Blick auf eine Preistabelle vom 26. Juli. Rot dominiert. Aber worauf basiert der Einbruch?

​Heute reichen Twittermeldungen für einen Preissturz

​Ich glaube nicht. Wir leben in einer Zeit, in der jede Zuckung gleich zu einem ‚Mega-Trend‘ erhoben wird, jede kleine Veränderung eine Revolution einläutet und ein Kurzschluss das Ende einer Party markiert. Viele Erdbewohner erwarten es im Smartphonezeitalter, dass sich Dinge jede Sekunde verändern müssen, um interessant zu bleiben, ansonsten genügt ein Daumenwischer, und man hat etwas neues zur sekundenlangen Unterhaltung gefunden. Es ist für viele wahr geworden, was sich bereits vor einigen Jahrzehnten mit der Einführung der TV-Fernbedienung angekündigt hat: Wir können – und wir wollen alles auf Knopfdruck haben. Aber auch wenn uns das Zeitalter der digitalen Medien so eine Welt erschaffen hat, bzw. uns die Existenz einer solchen vorgauckelt – viele Mechanismen halten sich nicht daran, und funktionieren so wie früher: Mit Zeit. Und das Preisverhalten der Rohstoffe gehört dazu.


Aber muss man sich davon beeindrucken lassen?

Aber eben auch nicht ganz: Denn auch die Rohstoffpreise sind nicht ganz der ständigen digitalen Informationshybris entkoppelt. Wenn 'The Donald' seinen Groll austwittert, reagieren die Märkte. Zu interessant sind die unkonventionellen Kommunikationsmethoden, um im ‚Share This‘ Zeitalter ignoriert zu werden. Also wird geteilt, geliked und disliked, millionen- und abermillionenfach, bis dem Wertlosen irgendwann ein Wert zugemessen wird, egal wie halt- und sinnlos die zugrundeliegenden Phrasen. Und die Angst vor einem Handelskrieg greift vom digitalen ins reale Leben über. Das Resultat: Obwohl sich die Fundamentaldaten nicht geändert haben, mit starker Nachfrage nach vielen Metallen sowohl aus den Industrie- als auch den Schwellelenländern, und sich die Angebotssituation wie in etlichen Blogbeiträgen geschildert weder für Gold, noch für Kupfer, Zink oder Kobalt zum Besseren gewandelt sprich verbessert hätte, geben die Preise plötzlich nach. Wo genug gezittert wird, wackelt am Ende eben doch die Erde. Ein klassischer Fall der sich selbst erfüllenden Prophezeiung. 

​Antizyklische Investoren zeigen Größe: 'schlechte' Zeiten sind für sie ein Kaufargument

Die Tatsache, dass kurzfristige Einschätzungen langfristige Fundamentaltrends überlagern können ist an sich nichts neues. Aber die Geschwindigkeit und die gefühlte Dramatik sind stärker als früher. Zwischen ewigem Sonnenschein und immanentem Weltuntergang liegen nur wenige Medienhypes.

Investoren sollten diese Eigenschaften nicht übernehmen. Natürlich kann man die sozialen Medien und auch die Tagespresse verfolgen – aber eher zur Unterhaltung denn als Wissensquelle. Zumindest die oben erwähnten Rohstoffe unterliegen eindeutigen Trends, die sie in den nächsten Jahren zu zunehmend begehrten Gütern machen. Es wird zyklische Rücksetzer geben, und Rückschläge durch Twittermeldungen. Aber Investoren sollten immer das Große und Ganze im Auge behalten, und das bewegt sich eher langsam, träge, unauffällig, dafür mit einem nachdrücklichen Schub, ähnlich wie ein Supertanker.

Von daher sollten wir uns nicht beirren lassen. Eine Phase abklingender Musik und eine nachlassende Zahl an Gästen auf der Party lässt sich viel besser dazu nutzen, zur Bar zu gehen und ohne lange Schlangen davor einen weiteren Long Island Eistee zu ordern. Denn es wird bald weitergehen – lauter, wilder und mit viel attraktiveren Gästen.    

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​Ein Antizyklischer Investor geht nicht mit, sondern gegen den Trend. Dafür müssen die Fundamentaldaten natürlich stimmen. Bei den oben erwähnten Metallen ist dies der Fall. Niedrige Preise sind hier also höchstens eine Einladung zum Kauf. Sollen doch alle anderen Panik bekommen und weglaufen.