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​Da geht's lang! Nur ein Teil der Ressourcen sind auch am Ende für den Abbau nutzbar.

Oft gibt es Verwirrung, wenn es um die Bemessung einer Lagerstätte geht. Im Rohstoffinvestment ist das richtige Verständnis allerdings von entscheidender Bedeutung, denn Reserven und Ressourcen behandeln zwar das gleiche Thema (nämlich letztendlich die Bemessung der Größe einer Lagerstätte und deren Erzgehalt), unterscheiden sich aber trotzdem grundlegend. Vor allem im Bereich der Junior-Mining Investments sollte Klarheit zwischen diesen Begriffen herrschen, denn sie haben direkte Auswirkungen auf die Bewertung eines Unternehmens. Der folgende Text möchte etwas zur Klärung beitragen.  

Der Grundlegende Unterschied zwischen Ressourcen und Reserven:

Eine Ressource bezeichnet ein Vorkommen, dass zwar nachgewiesen ist, aber von dem noch nicht davon ausgegangen werden kann, dass es auch wirtschaftlich abbaubar ist.

Eine Reserve hingegen ist genau bemessen, und kann mit der verfügbaren Technologie unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten abgebaut werden.

Eine Reserve ist also immer Teil einer Ressource. Durch Veränderungen der Rohstoffpreise, Steuern, Technologie etc. können Teile der Ressource also auch in Reserven umgewandelt werden. Grob gesagt ist eine Ressource noch zumindest teilweise spekulativ, während Reserven schon von hoher Zuverlässigkeit geprägt sind. Wie ein Explorationsunternehmen von der Ressource zur Reserve gelangen kann, dafür gibt es genaue Vorschriften bzw. Standards (siehe NI-43 101 bzw. JORC).

Sowohl die Ressourcen als auch die Reserven werden jeweils in verschiedene Kategorien unterteilt. Beginnend von der niedrigsten Stufe der Verlässlichkeit bis zur höchsten sind dies die folgenden:

​Von den Ressourcen...

Abgeleitete Ressourcen (Inferred Mineral Resources) entsprechen dem untersten Grad der Verlässlichkeit (in Bezug auf die geologischen Daten). Die Gesamtmenge der Erze, sowie der Erzgrad bzw. der Anteil des zu fördernden Metalls wird hier mit noch relativ geringer Zuverlässigkeit geschätzt. Wir müssen verstehen, wie diese erste Einschätzung zustande kommt: Während ab einem gewissen Stadium Informationen hauptsächlich durch immer intensivere Bohrprogramme gewonnen werden, werden vor Beginn solcher Programme hauptsächlich Arbeiten an der Oberfläche durchgeführt, wie zum Beispiel Testgräben, Untersuchungen an überirdischen Aufschlüssen (Outcrops), vereinzelte Bohrungen etc. Diese dienen dann sowohl der Informationssammlung über den Erzkörper, als auch der Gestaltung des sehr teuren und aufwendigen Bohrprogramms. Die Dichte der in dieser Phase vorgenommenen Bohrungen lässt noch keine genaueren Erkenntnisse über den Erzkörper zu. Wenn wir berücksichtigen, dass Erzkörper extrem deformierte Gebilde sind, und keine gleichkantigen Blöcke, wird die Schwierigkeit deutlicher. Ebenso verhält es sich mit dem Erzgrad, der sich sprichwörtlich von Meter zu Meter ändern kann – sowohl horizontal als auch vertikal. Das Erreichen der Abgeleiteten Ressourcen ist also nur als erster Schritt zu genaueren Bemesseungen zu betrachten, aber erlaubt wenigstens eine ungefähre Einordnung des Projekts. Kein Explorer wird allerdings hier stehenbleiben, sondern die Arbeiten zu tiefer gehenden Verlässlichkeitsstufen so schnell wie möglich vorantreiben.

Angezeigte Ressourcen (Indicated resources) stellen die nächste Stufe da: Hierbei ist die Lagerstätte soweit untersucht worden, dass man die Haupteigenschaften der Lagerstätte (Gesamtgröße, Metallgehalt, Erzgrad, Dichte, etc) verlässlicher schätzen kann. Durch weitere Untersuchungen wird die Ressource nun in Gemessene Ressourcen (Measured Ressources) umgewandelt. Wichtig hierfür ist, dass diese Einschätzung durch eine sogenannte ‚Kompetente Person bzw. Gutachter‘ vorgenommen wird. Was einen kompetenten Gutachter ausmacht ist im jeweiligen Standard (z.B. NI 43-101) bzw. dem zugrunde liegenden Berggesetz geregelt.

Um von einer Ressource (measured oder indicated) zur Reserve zu gelangen, bedarf es nun weiterführender technischer Studien, wie zum Beispiel der Machbarkeitsstudie, oder zumindest der ‚vorläufigen Machbarkeitsstudie‘ (Feasibility bzw. Pre-Feasibility Study). Diese technischen Studien setzten sich intensiv mit den möglichen Abbaumethoden und den zur Verfügung stehenden Technologien auseinander, ermitteln verschiedene Szenarien der Metallpreise, gehen auf die Metallurgie ein etc. Wir verlassen also endgültig das spekulative Terrain und kommen nun zu den ​Reserven:

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Bohrung für Bergbau


​Viele Bohrmeter sind notwendig, um die Stufe der Datenverlässlichkeit zu erhöhen. Hier von einer Exploration in Albanien
Eingang zu einer Mine in Albanien

​Neben den rein geologischen Untersuchungen müssen noch viele weitere Faktoren berücksichtigt und Kalkulationen erhoben werden, um von der Ressource zur Reserve zu gelangen. 

​...zu den Reserven

Wahrscheinliche Reserven (Probable Reserves). Dies umfasst den Teil der Ressourcen, der  wirtschaftlich abgebaut werden kann. Diese Reserven dienen als Entscheidungsgrundlage zur Minenkonstruktion, haben aber noch immer nicht die höchste Zuverlässigkeit der Kalkulation erreicht, welche der Erwiesenen Reserven zugesprochen wird. Um die Reserven zu ermitteln, muß außerdem eine unabhängige Drittpartei hinzugezogen werden.

Werden Ressourcen in Reserven umgewandelt, werden außer den Analysen über den eigentlichen Erzkörper auch eine Reihe bergbautechnischer Untersuchungen eingeleitet, wie zum Beispiel die möglichen und effizientesten Abbaumethoden auf Basis des Erzkörperverlaufs, geotechnische Untersuchungen hinsichtlich der Sicherheit der Mine, metallurgische Untersuchungen etc. Man verlässt hier also das Feld der Geologie und betritt den eigentlichen Bergbau.  

Um zum Beispiel Banken als Finanzier beim Minenbau zu gewinnen, müssen Reserven vorliegen. Reserven machen also ein Vorkommen zu einem wirtschaftlichen Gut, dem ein Wert beigemessen werden, und der als Vermögensgegenstand behandelt werden kann.  Kredite gibt es nur auf Grundlage von Reserven.

Grafik Ressourcen und Reserven