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​Wie wichtig Seltene Erden für Zukunftstechnologien sind ist eine Frage - ob es sich lohnt in diesen Sektor zu investieren eine andere

​Den Seltenen Erden Elementen (SEE) haftet schon seit langem etwas geheimnisvoll-sinisteres an. Dunkle Mächte und verborgene Organisationen kämpfen um die wenigen Lagerstätten, mittels deren Kontrolle man die Technologien der Zukunft bestimmen und steuern kann. Und tatsächlich klingen Namen wie Promethium oder Gadolinium entweder nach totaler Weltherrschaft oder zumindest nach einem Asterixdorf. Nun werden diese seltsam unbekannten Substanzen auch noch als Druckmittel in dem ebenso seltsamen Handelskonflikt zwischen den USA und China eingesetzt, zumindest von chinesischer Seite. Also dich ein geheimes Ass im Ärmel, mit dem man einen streitsüchtigen amerikanischen Präsidenten in die Knie zwingen kann?  Das Interesse an den SEE ist zurzeit relativ groß, und natürlich interessieren sich auch mehr Investoren als sonst für dieses Thema, denn wenn etwas seltenes aufgrund von Handelsrestriktionen noch seltener gemacht werden soll, kann das ja auch eine überaus interessante Überlegung sein. Zeit also für etwas Aufklärung – und nüchterne Fakten.

Schade, zumindest für Fans dunkler Verschwörungsszenarien: Seltene Erden nicht nicht selten. Und Erden sind es auch keine.

Zuerst einmal zum Begriff: Die Seltenen Erden (korrekte Schreibweise eigentlich Seltene Erdelemente) sind nicht selten. Und auch keine Erden. Diese Elemente (denn um diese handelt es sich) wurden früher aus damals relativ seltenen Mineralien isoliert. Eigentlich handelt es sich also um metallische Elemente, aber der Name SEE hat sich dennoch durchgesetzt. Der Übersicht halber zeigt die Tabelle unten die 17 Elemente auf, die zu den SEE gerechnet werden:


​Leichte SEE

​Schwere SEE

Scandium

​Yttrium

Lanthan

​Gadolinum

​Cer

​Terbium

Praseodym

​Dysprosium

Neodym

​Holmium

​Promethium

​Erbium

​Samarium

​Thulium

​Europium

​Ytterbium

Cell

​Lutetium

​Handelsstreit = Preisexplosion bei Seltenen Erden?

Widmen wir uns nach diesen Erklärungen nun aber mal dem Aspekt der Investitionsmöglichkeiten, bzw. der Frage, ob SEE überhaupt ein attraktives Anlageziel bilden. Dazu sollten wir uns vor allem der derzeitig recht häufig kolportierten Frage widmen, wie sich die angedrohte chinesische Exportsperre auf die weltweiten Preise der SEE auswirken könnte. Denn dies ist sicherlich die Kerbe, in welche Anleger mit Gewinninteressen schlagen wollen. Klar ist dass vor allem Neodym und Praseodym, welches zur Herstellung von Hochleistungs- bzw. Permanentmagneten verwendet wird, die globale Erzeugung von bestimmten Hochleistungsgütern in Bedrängnis bringen könnte. China besitzt die eindeutige Vorherrschaft was die Förderung bzw. Produktion dieser beiden SEE betrifft, und die Androhung der Exportrestriktion hat zu einer regelrechten Investitions-Stampede hin zu außer-chinesischen Produzenten geführt.

Der 90%ige Aktienkursanstieg für den SEE-Projektentwickler Texas Minerals Resources im letzten Monat sowie der fast ebenso deutliche Anstieg des etablierten australischen Produzenten Lynas Corporation sind Beispiele dafür, wie Chinas Drohungen sich im globalen Markt bereits ausgewirkt haben. Tatsache ist, dass es augenscheinlich ein Leichtes für China wäre, Druck über die SEE Produktion auszuüben, denn mit guten 85% der globalen Produktion, und für die zentralistisch geführte Regierung ist es nicht weiter schwierig, totale Kontrolle über bestimmte Industriezweige auszuüben. Dennoch sollten sich Investoren, die einen Sprung in die SEE-Welt in Betracht ziehen darüber im Klaren sein, dass das, was Sie heute sehen, nicht unbedingt das ist, was Sie auf lange Sicht bekommen werden.

​SEE Juniors wie Texas Mineral Resources reagierten deutlich auf Chinas Export-Drohungen

​Auch China hat nur begrenzte Macht zur Preisgestaltung 

Warum? Zum einen, da die Welt nicht besonders viel SEE Input benötigt. Dies bedeutet, dass ein nur geringer Anstieg der Produktion (zum Beispiel aus Australien) die Preise ziemlich stark beeinflussen, d.h. nach unten drücken kann. Der zweite Grund zur limitierten Macht Chinas mit SEE Preisen Druck auszuüben liegt im Monopol-Effekt. Dazu gleich mehr. 

Wir sollten außerdem drittens darauf schauen, warum China überhaupt eine so herausragende Stellung hinsichtlich der SEE Produktion genießt. Dies ist vielleicht das wichtigste Merkmal jeder Branchenanalyse, denn dadurch lässt sich die chinesische Position als SEE Dominator überhaupt in Frage stellen. Natürlich hat dies zum einen schlicht und ergreifend mit der Geologie zu tun, die nicht veränderlich ist. Allerdings hat die chinesische Position als größter SEE Produzent auch weitere Gründe: 

- Niedrige Betriebskosten sowie eine ausgeprägte Missachtung der Umwelt sowie niedrige Gesundheits- und Sozialstandards bei den SEE Produzenten 

- Kontrolle über die Herstellung der Endprodukte, insbesondere der in Elektromotoren benötigten Permanentmagnete. Dies ermöglicht eine geschlossene Lieferkette und somit günstige Gesamtkosten Eine Tatsache von wichtigerer Bedeutung als die Position beim Abbau. 

Von dieser Basis aus war China in der Lage, den Markt beispielweise mit dem spektakulären und gegen Japan gerichteten  Preisanstieg von 2011 zu manipulieren. Hier liegt allerdings auch eine gute Fallstudie vor, was mittelfristig mit Monopolisten geschieht, die ihre Marktposition missbrauchen. 

Deutlich der sprunghafte Anstieg einiger SEE Preise zwichen 2010 und 2012 aufgrund damaliger chinesischer Exportrstriktionen (c) Reuters Graphik / Washington Post

Denn der globale Markt hat aus diesem unangenehmen Beispiel der Marktmanipulation eine Lehre gezogen. Der kurzfristige Preisanstieg reichte damals aus, um neue Produktion auch in teureren Ländern attraktiv zu machen. Lynas Corporation kam damals auf den Markt und ist heute der größte SEE-Lieferant außerhalb Chinas.


​Der Monopol-Effekt: Substitution und neue Konkurrenz

Und genau das ist der Monopol-Effekt: Substitution bzw. zusätzliche, vorher unwirtschaftliche Produktion tritt ein, weil ein Kartell die Preise zu hoch getrieben hat. Der OPEC Missbrauch der 70er Jahre ist ein klassisches Beispiel für diesen Effekt, auch wenn dieser sich über Jahre und Jahrzehnte hinzog. Heute zählen auch Länder wie Sierra Leone und Ost-Timor zu den Ölproduzenten, denn die hohen Preise machten auch teurere Abbaugebiete lohnend. Außerdem gibt es spätestens seit den 80er Jahren Bemühungen, die Öldominanz und damit die OPEC Dominanz durch alternative Energiequellen zu brechen.  

Bei den SEEs könnte der Weg ähnlich verlaufen, und der Effekt wäre schneller, da diese Metalle wie gesagt weniger essentiell sind als es der Name vermuten lässt. Auch wenn China heute die Kontrolle besitzt - andere Versorgungsquellen sind auf dem Weg, und dazu gehört auch die Förderung außer-chinesischer Versorgung mit kritischen Rohstoffen. ​ Investmentbanken und andere Marktexperten gehen deswegen davon aus, dass ein chinesischer Cut für Exporte keine allzustarken negativen Auswirkungen zeigen wird, insbesondere wenn beispielsweise die kalifornische Mountain Pass-Mine schnell wieder in Betrieb genommen wird. Das neue Managementteam am Mountain Pass geht davon aus, dass diese Mine ab Ende nächsten Jahres die Hälfte der US-Nachfrage decken könnte. 

China hat also mehr zu verlieren anstatt zu gewinnen, falls es wirklich seine Monopol-Karte spielen will. Es könnte, anstatt Druck auszuüben, seine Dominanz im SEE Markt verlieren.


Für Investoren bedeutet dies folgendes:


Kurzfristig, vor allem solange die Drohungsgerüchte durch die Medien geistern, sind Gewinnmitnahmen bei nicht-chinesischen Produzenten sehr gut möglich. Als zweites sollte man aber beobachten, ob die Drohungen tatsächlich wahr gemacht werden. Falls ja, ist auch mit einer weiteren Steigerung zu rechnen, eventuell sogar recht deutlichen Ausschlägen. Aber es gibt etliche Projekte in den USA, Australien und Russland, die dann hochgefahren werden können. Die Preissituation könnte sich also, wie oben in Bezug auf die Mountain-Pass Mine berichtet, bereits ab 2020 wieder normalisieren.

Wenn Sie sich jetzt zu SEE hingezogen fühlen sollten, wird der nächste Abschnitt für Sie sehr wichtig, denn wir werfen einen Blick auf die Preissituation bei SEE:.

Preise für Seltene Erden

​Wie oben dargestellt gibt es insgesamt 17 SEE Metalle, die jeweils in verschiedene Gruppen eingeteilt werden können (u.a. leicht und schwer), wobei Preise für mehrere Einzel- und Mischprodukte verfügbar sind. Von schweren Seltenen Erden bis hin zu leichten Seltenen Erden, Magnetmaterialien und darüber hinaus. Das kann alles auf den ersten (und zweiten) Blick etwas verwirrend erscheinen. Fachorgane verfolgen dementsprechend bis zu 60 verschiedene SEE Preise.

Im Gegensatz zu beispielsweise Preise für Gold oder Silber ist es allerdings ungleich schwerer, Preise von SEE zu vermitteln. Unter anderem fehlt es an einem öffentlichen Handelsplatz für SEEund deren Tausch, mit Ausnahme der Fanya Metal Exchange in China, deren Existenz aber ebenfalls in Gefahr ist. Es gibt allerdings Datenservice von Firmen wie Argus die regelmässig entsprechend recherchierte Preisinformationen anbieten - allerdings nur gegen Gebühren.  ​

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Die Preise unterscheiden sich nach Funktion...

Seltene Erden werden in einer Reihe von verschiedenen Technologien eingesetzt, und die Nachfrage ist höher für die einen als für die anderen. SEE lassen sich aufgrund ihres Atomgewichts in "schwere" und "leichte" Kategorien einteilen, wobei schwere SEE in der Regel gefragter sind als leichte SEE.

Allerdings können auch letztere wichtig sein. So gehören beispielsweise Neodym und Praseodym, die in Super-Magneten verwendet werden, zur Kategorie der leichten SEE. Auch Dysprosium kann sehr teuer sein. Neodym und Praseodym standen im vergangenen Jahr im Rampenlicht, da die Nachfrage nach den Hochleistungsmagneten aufgrund des Booms bei Elektrofahrzeugen gestiegen ist. Auf der anderen Seite gibt es eine Überversorgung für Elemente wie Cer oder auch Lanthan, das unter anderem in Legierungen für die Stahlerzeugung und Industriekatalysatoren verwendet wird. Infolgedessen sind sie deutlich günstiger als die meisten anderen SEE.

Eine weitere Gruppe von Seltenen Erden ist die Verwendung in phosphoreszierenden Materialien, also die aktive Komponente die für die Farbveränderung von Leuchtstoffröhren und anderen Beleuchtungsanwendungen verantwortlich ist. Bei dieser Gruppe der ‚‘Phosphorerden‘ ist beispielsweise Yttrium am preiswerten Ende der Skala zu finden, während Europium und Terbium selten und teuer sind. Wichtig ist es außerdem zu wissen, dass die Konzentration der verschiedenen SEE innerhalb einer jeden Lagerstätte variiert, wobei dennoch eine bestimmte Lagerstätte in der Regel entweder von schweren oder leichten Seltenen Erden dominiert wird.


​...während die verwendete Technologie zur Separierung der Seltenen Erden über den Wert einer Mine (mit-)entscheidet

Neben der Tatsache dass man in einer SEE Lagerstätte in der Regel verschiedene Elemente vorfinden wird, gibt es auch eine ganze Reihe anderer Verunreinigungen wie Uran und Thorium, deren Entsorgung schwierig sein kann.

Der Trennprozess kann schwierig und langwierig sein, und bisher haben es Separatoren außerhalb Chinas nicht geschafft, die Produzenten im Land zu unterbieten. Unter anderem liegt dies an den entsprechenden ‚großzügigen‘ Umweltvorschriften und den kaum vorhandenen Arbeitsschutz. Eine ganze Reihe an neuen Produzenten außerhalb Chinas sucht deswegen nach neuer Technologie, um hierbei Marktanteil zu gewinnen. Es ist in dieser Beziehung wichtig für Investoren die sich mit SEE Produzenten oder Juniors beschäftigen zu wissen dass SEE innerhalb eines gemischten Konzentrats nicht so hohe Preise erzielen wie diejenigen, die bereits separiert sind. Wenn Sie sich die technischen Berichte von SEE Produzenten oder Junior-Mining-Unternehmen ansehen, werfen Sie also einen Blick auf diese Tatsache.

Viele neue Produzenten oder Juniors konzentrieren sich auf neue Technologien, die ihnen helfen sollen, Seltene Erden zu niedrigeren Kosten zu trennen. Außerdem haben Forscher in Harvard neue "saubere" Ansätze zur Trennung der Elemente angekündigt - eindeutig besteht ein großes Interesse an der Verbesserung dieser Prozesse.

Abschließend sei gesag, in technischen Berichten auf Preisannahmen zu achten, die möglicherweise nicht so realistisch sind, wie sie sein sollten. Denn häufig verwenden diese Berichte einen Durchschnitt der Preise für SEE aus den letzten Jahren. Damit soll vorweggenommen werden, wohin die Preise gehen könnten. Wenn diese Durchschnitte allerdings die außergewöhnlichen Anstiege von 2011 beinhalten, sieht die Darstellung wahrscheinlich rosiger aus, als sie in der Realität sehr wahrscheinlich sein wird.