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​Das große Spiel einst und heute:

Das ‚Große Spiel‘, ein Terminus der von Rudyard Kippling geprägt wurde, hat ursprünglich die Rivalität und die strategische Auseinandersetzung zwischen dem britischen Empire und dem russischen Zarenreich in Zentralasien bezeichnet, und wurde oft auf imperiale Auseinandersetzungen übertragen. Das Bild oben beschreibt den Kampf der europäischen Kolonialmächte um China – das damals zum Zaungast seines eigenen Schicksals verurteilt war. Heute gibt es eine Neuauflage dieses großen Spiels zwischen den Westmächten und China – allerdings mit umgekehrten Vorzeichen.

 

Mann lässt Marionetten tanzen

​Wer führt wen? Der strategische Kampf um Batteriemetalle und deren Weiterverarbeitung wird vorentscheiden sein

Augenscheinlich haben es noch nicht alle Regierungen der führenden Industriestaaten erkannt, aber wenn es um die neuen Batteriemetalle wie Lithium, Kobalt, Nickel, Graphit, Vanadium etc. und deren Weiterverarbeitung in batterietaugliche chemische Komponenten geht, handelt es sich dabei nicht nur einfach nur um einen weiteren, lukrativen Wirtschaftszweig – sondern um nicht weniger als ein Rennen um die zukünftige Kontrolle über die Gewinnung, Speicherung und Distribution von Energie – und damit um die gesamtökonomische Kontrolle.

​Neue Dynamik:

Während es also gewisse Regierungen gibt, die sich lieber mit der Brisanz eines dritten Geschlechts und drakonischer Besteuerung der Leistungsträger der Gesellschaft befassen, sichern sich andere die wahre Vormachtstellung in Märkten, die bald zu den wichtigsten der gesamten Welt zählen werden.  Diejenigen, welche diese kritischen Rohstoffe und deren Verarbeitung kontrollieren, werden die industrielle Macht des 21. Jahrhunderts in den Händen halten. Bereits jetzt lassen sich tiefgreifende Auswirkungen auf die Versorgungsketten der Energiespeicherung und auf die Rohstoffe, die zu ihrer Förderung erforderlich sind, feststellen.

Ein sichtbares Zeichen dafür, weil quasi an der Schnittstelle zwischen Rohstoffwirtschaft und Endverbraucher gelegen, sind die sogenannten Lithium-Ionen ‘Megafabriken’: 2017 gab es davon (leicht zu merken) 17 Einheiten. Inzwischen sind weltweit davon 70 in Betrieb bzw. im Bau – 46 davon in China! Europa und die USA sind ins Hintertreffen geraten.

In nächster Zeit werden sich die Batteriehersteller fast ausschließlich auf die Herstellung von Lithium-Ionen-Batteriezellen konzentrieren, wobei zwei Typen bzw. Kombinationen Beachtung finden:  Nickel-Kobalt-Mangan (NKM) und Nickel-Kobalt-Aluminium (NKA).

Die Folge ist klar: Die Produktion der Hauptzutaten, also Lithium, Kobalt, Nickel und Mangan, die allesamt für die Herstellung der Kathode benötigt werden, sowie für Graphit (zur Herstellung der Anode) bedeutet, dass die Lieferfähigkeit drastisch erhöht werden muss, wenn die Produktionspläne nicht ins Hintertreffen geraten sollen. Diese Pläne aber dürfen schlichtweg von keiner Seite torpediert werden, denn zu hoch ist der finanzielle Einsatz und damit auch die Abhängigkeit der Automobilhersteller, denn diese haben inzwischen dreistellige Milliardenbeträge (!) für die Entwicklung der neuen E-Auto Flotten bereitgestellt. Dennoch: Gefragt ist hier nicht nur der reine Bergbau, sondern v.a. die Exploration (neue Lagerstätten werden benötigt), als auch die chemische Industrie. Und beide Zweige werden inzwischen von China kontrolliert.  

DAs Lithium-Hydroxidwerk von Tianqi in China

​Hier ensteht das größte Werk der Welt zur Herstellung von Lithium-Hydroxid. Zur Erinnerung: China muss beinahe genauso viel Lithium importieren wie die EU und USA. Der Unterschied ist dass die Exploration, Ausbeutung und Weiterverarbeitung zunehmend aus dem Reich der Mitte kontrolliert werden.  


Die Herstellung der Lithium-Ionen Batterien wird zur globalen Schlüsselindustrie

Der theoretische Bedarf erfordert eine Steigerung der Lithiumproduktion bis 2028 um über 900% gegenüber 2017. Ebenso wird Graphit um 800% in der Produktion zulegen müssen, die Kobaltproduktion um über 400%, und Nickel sogar um fast 2,000%. Allerdings...warnen inzwischen viele Experten, dass trotz aller Kraftanstrengungen wahrscheinlich nur gut dreiviertel dieser benötigten Kapazität bereitgestellt werden kann. Die Batterieexperten von Benchmark Minerals meinen, dass ‚...die reale Erwartung ist, dass nur 70% dieser Kapazität bis 2028 realisiert werden, und selbst bei voller Kapazität wird es kaum genügend Lithium-Ionen-Batterien für EVs, Energiespeicher und mobile Technologien geben.‘

Sowohl die USA als auch die EU sind zu einem großen Teil von Importen dieser Mineralien abhängig. Die Geologie mag gottgegeben sein, aber beide sollten wenigstens versuchen, die Exploration weitestgehend zu beeinflussen und bei der Konversion zu den chemischen Ingredienzen die Nase vorne zu haben. Denn betrachten wir es so: Selbst wenn genügend aus dem Boden kommt – wenn die Umwandlungskapazitäten nicht ausreichen, vorhanden sind, oder sich diese aus politischen Gründen verweigern sollten, wird das den Endabnehmerindustrien nichts nützen. Aber auch die Exploration kann gesteuert werden, und zwar mittels früher Unterstützung im Austausch gegen Lieferverträge.

​Aber auch westliche Hersteller, wie zum Beispiel Amerikas Albermarle, scheint das nur bedingt zu kümmern. Das Unternehmen gab kürzlich bekannt, dass es 1,15 Milliarden US-Dollar in ein 50:50-Jointventure mit Mineral Resources investieren wird, um ein neues Spodumen-Reservoir sowie die nachgelagerte chemische Verarbeitung aufzubauen - in Australien (siehe auch den Februarbeitrag hier: ​https://explorado.markets/metalle-und-rohstoffe/lithium/​​​


​Strategisches Denken ist gefragt - und Führung


Das ist nur bedingt auf den geologischen Vorteil Westaustraliens zurückzuführen, als vielmehr der konzentrierten Anstrengung der dortigen Staatsregierung, sich weite Teile der Wertschöpfungskette unter den Nagel zu reißen. Richtig so. Immerhin beginnen westliche Hersteller nun langsam, sich große und wichtige Lager- und Produktionsstätten zu sichern. Aber die Chinesen haben großen Vorsprung:  Ganfeng Lithium und Tianqi Lithium, die beiden Aushängeschilder Chinas in diesem Bereich, waren bereits die letzten Jahre auf intensiver Jagd nach den besten Assets – und dabei überaus erfolgreich. Untermauert haben das die Chinesen mit langfristigen Lieferverträgen für EV-Batterien, die sie sich mit großzügiger Finanzierung der Explorations- und Baukosten gesichert haben. So sieht langfristiges strategisches Denken aus.  



Grafik Produktion Lithium Ionen Batterien

​Gut so? Oder vielleicht doch langsam mal Zeit zum aufwachen?!

Auch hinsichtlich der Kontrolle über Kobalt und Kobaltsulfat, sowie über Graphit und die chemischen Komponenten für die Anoden sieht es nicht unbedingt gut aus für die westliche ‘Wertegemeinschaft’. Wird hier wie dort nicht bald begonnen, strategisch weitreichende Entscheidungen zu treffen und umzusetzen, werden sowohl die USA als auch die EU ihre schöne neue grüne Elektrowelt unter dem Damoklesschwert der Abhängigkeit und Kontrolle Chinas (und des Kongo als wichtigsten Lieferant für Kobalt) verbringen. So mancher wird da im Vergleich die Ölabhängigkeit vom Mittleren Osten als nostalgisch-behaglich finden.

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