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Der technologische Fortschritt lässt das gesamte menschliche Leben amöbenartig wirken, so schnell müssen wir uns an neue Formen der Arbeit, der Kommunikation, des sozialen Zusammenlebens etc. gewöhnen – so dass wir ständig neue Lebensformen entwickeln, um den Veränderungen gerecht zu werden. Da ist es nur logisch, dass auch die Mining-Welt und v.a. die Exploration nicht stehen bleibt. Über neue und effizientere Explorationsmethoden habe ich ja schon einem früheren Bericht besprochen. Aber wenn immer mehr Unternehmer (Elon Musk, Richard Branson und Co.) in den Weltraum als nächste menschliche Lebenswelt drängen – wo bleibt denn da die Rohstoffindustrie?

Gigantischer Fund an Seltenen Erden – Tief im Pazifik

Ich habe in letzter Zeit zwei Ereignisse wahrgenommen, die ein bzw. zwei neue Explorationszeitalter einleiten könnten, und mittelfristig zu einer neuen Zieldestination für Risikokapital werden könnten. Mining 2.0 und 3.0 gewissermaßen. Das erste neue Zeitalter dass ich in diesem Blog besprechen werde (mehr dann zu Mining 3.0 im kommenden Blog) wird noch auf unserem blauen Planeten eingeläutet werden, und zwar in dem Bereich, der der Erde zu dem Synonym ‚blauer Planet‘ verholfen hat, also dem Meeresgrund. Zugegeben, ganz neu ist dieser Ansatz nicht. Nautilus Minerals versucht sich schon seit einiger Zeit an der kommerziellen Nutzung von unterseeisch gelagerten Vorkommen in Papua Neuguinea, bleibt aber zunächst noch ein Exot. Deutlich nach vorne gepuscht werden könnte Underwater-Mining durch einen Riesenfund im Pazifik, der v.a. den geologischen bzw. chemischen Beweis liefert, dass die Tiefsee ein besonders geeignetes Reservoir für Seltene Erden sein könnte – welche somit zunehmend in den Fokus innovativer Exploratoren geraten könnte: Das untersuchte Vorkommen an Seltenen Erden weist eine Fläche von beinahe 2.500 Quadratkilometern auf – damit könnte man immerhin das Saarland zudecken. Probebohrungen haben hochmineralisierten Schlamm bis zu einer Dicke von zehn Metern gefunden.

Die Tiefsee trägt zu hochmineralisierter Schlammbildung bei

Was Unterwasserabbau zumindest für Seltene Erden so attraktiv machen könnte, ist die Tatsache, dass die chemische Zusammensetzung des Meerwassers nach erfolgter Sedimentation bzw. Ablagerung aus Flüssen die Bildung hochangereicherter Schlammassen erlaubt bzw. sogar fördert. Bereits in den 1960er Jahren stellten Forscher fest, dass im Wasser der Ozeane unterhalb von etwa 1.000 Metern Tiefe Seltene Erden gelöst sind. Je tiefer das Meer, desto höher die Konzentration. Denn gerade dies ist häufig ein Problem bei Selten Erden: Es gibt zahlreiche Vorkommen weltweit, aber nur wenige sind in einem Maße angereichert, dass aus ihnen ökonomisch vertretbare Lagerstätten würden. Auf der anderen Seite wird begründbar vermutet, dass die Nachfrage nach diesem Konglomerat chemisch stark ähnlicher Mineralien, die alle unter dem Sammelbegriff Seltene Erden zusammengefasst werden, mittelfristig steigen wird: Auch hier spielt die moderne Konsumgüter- und insbesondere die Unterhaltungsindustrie eine Rolle: Die Elemente sind wichtig in den Bereichen Elektronik sowie der erneuerbaren Energie, wo sie als Grundlage für starke Permanentmagneten in Elektromotoren und Generatoren sowie in modernen Hochtemperatursupraleitern fungieren.

Grafik Verwendung Seltener Erden Elemente

Die Verwendungsmöglichkeiten der Seltenen Erden Elemente haben stark zugenommen. (c) Univ. Prof.Dr.V.Zepf

Es gibt ein, zwei kleine Probleme:

Das nun entdeckte Vorkommen befindet sich im westlichen Pazifik, 2000 Km von der japanischen Minami-Torishimakette entfernt. Fassen wir nochmal zusammen: Ein Riesenfund (16 Millionen Tonnen) in einer äußerst attraktiven Konzentration: Auf dem Festland würde so eine Nachricht für eine Kursexplosion des Juniors führen, und sogleich zahlreiche sich die Hände reibenden Juniors auf den Plan rufen. Doch halt: Wir sind nicht auf dem Festland. Nein, das Ganze findet weitab davon statt, in beinahe ungeheuren Tiefen. Neben der Logistik, die technisch wahrscheinlich lösbar sein dürfte (hier ist es sehr interessant, den Fortschritten von Nautilus zu folgen) sind es v.a. noch vollkommen ungeklärte Probleme des Umweltschutzes, die hier zutage treten werden.

Unterwasser-Abbaugerät

​Mit solch einem Unterwasserroboter will Nautilus vor der Küste Papua-Neuguinea's Bodenschätze abbauen. Änliche Maschinen könnten auch für weitere Projekte zum Einsatz kommen. Hier wie dort sind aber grundlegende Umweltfolgen bzw. deren Behebung nicht ausreichend untersucht. (c) Nautilus Resources

Denn ähnlich wie beim Abbau auf dem Festland gilt es ja, eine vergleichsweise geringe Menge Erz aus einer großen Masse an Abraum zu lösen. Stellen diese übriggebliebenen Schlamme (Tailings) schon auf der Erde ein oft großes Problem da, sind deren Auswirkungen auf den Meeresgrund und die chemische Zusammensetzung des Meerwassers noch ziemlich wenig bekannt. Es gibt zahlreiche Meeresschutzkonventionen, die auch Japan unterzeichnet hat, in dessen Hoheitsgewässern sich die Lagerstätte befindet.  Möglicherweise wird noch eine weitere Büchse der Pandora geöffnet, wenn man sich auf die Suche nach weiteren Schlammlagerstätten machen würde: Was, wenn sich die Vorkommen außerhalb der Hoheitgebiete oder Sonderwirtschaftszonen befinden, oder über solche hinaus erstrecken? Ungeklärte Besitzverhältnisse können schnell zu größerem Streit ausarten, v.a. wenn es sich um strategisch bedeutsame Vorkommen handeln wird.

​First-Mover Vorteil:

Es sieht also so aus, als ob die Tiefsee etliche attraktive Lagerstätten, v.a. für Seltene Erden bereit halten würde. Nach dem derzeitigen Stand der Forschung allerdings (insbesondere was die Umweltanalyse und die Behebung der resultierenden Umweltbeschädigung angeht) sieht es nicht so aus, als ob sich Unternehmen in naher Zukunft an solche Abenteuer heranwagen würden. Sollten sich hier jedoch Fortschritte abzeichnen, und sich Werge eröffnen, wie man umweltgerecht auch in großen Tiefen abbauen könnte, wäre dies in der Tat die nächste Front, die der globale Bergbau eröffnen wird. Innovative Firmen, die eng mit Umwelttechnikern zusammenarbeiten, werden hier auf jeden Fall einen ‚First-Mover‘ Vorteil haben. Wer an diesem Thema Interesse hat, sollte diese Thematik und die zusammenhängenden Neuerungen von Zeit zu Zeit verfolgen.